Die Vinea Wachau Nobilis Districtus ist einer der bekanntesten freiwilligen Winzerzusammenschlüsse Österreichs und zählt rund 200 Mitgliedsbetriebe, die zusammen den größten Teil der Rebfläche der Wachau bewirtschaften (Der Winzer, "40 Jahre Vinea Wachau").
Im Zentrum steht das Drei-Klassen-System Steinfeder, Federspiel und Smaragd, drei eingetragene Markennamen der Vinea Wachau, die ausschließlich auf dem natürlichen Alkoholgehalt basieren und ausdrücklich nur für trockene Weißweine gelten (Vinea Wachau, "Die drei Weinstile").
Die Geschichte: Verein 1983, Codex 2006
Die Vinea Wachau wurde 1983 von einer Gruppe Wachauer Winzer gegründet, mit dem Ziel, die drei Stilkategorien Steinfeder, Federspiel und Smaragd als eigene Marken zu etablieren und Weinzukauf von außerhalb der Wachau auszuschließen.
Der eigentliche „Codex Wachau" als schriftliches Regelwerk kam später: Die Vinea Wachau formulierte ihn am 11. Mai 2006, als Reaktion auf neue EU-Vorschriften, die bestimmte technologische Eingriffe (etwa Umkehrosmose, Vakuumdestillation oder Aromatisierung) EU-weit zuließen. Der Codex verpflichtet Mitglieder freiwillig zu deutlich strengeren Regeln, als das EU- und österreichische Weinrecht ohnehin vorschreiben.
Die drei Stilkategorien
Die Klassifizierung erfolgt ausschließlich nach dem natürlichen Alkoholgehalt, offiziell definiert von der Vinea Wachau selbst:
Steinfeder
- Alkoholgehalt: bis 11,5 % Vol.,
- benannt nach dem Federgras (Stipa pennata), das in den Trockenrasen der Wachauer Terrassen wächst,
- Charakter: leicht, frisch, mit deutlicher Säure,
- gedacht für den jungen Genuss.
Federspiel
- Alkoholbereich: 11,5 – 12,5 % Vol.,
- benannt nach dem Falknerhandwerk (das „Federspiel" als Lockmittel für den Jagdfalken),
- Charakter: klassisch-trocken, ausgewogen,
- gilt als idealer Speisebegleiter.
Smaragd
- Alkoholgehalt: ab 12,5 % Vol.,
- benannt nach der Smaragdeidechse (Lacerta viridis), die in den Trockensteinmauern der Wachau lebt,
- Basis für die komplexesten, kräftigsten Weine der Wachau, ohne Holzeinfluss ausgebaut,
- Premium-Kategorie mit den höchsten Preisen.
Quelle für alle drei Definitionen: Vinea Wachau, "Die drei Weinstile".
Zugelassene Rebsorten
Grüner Veltliner und Riesling sind die mit Abstand wichtigsten Rebsorten der Wachau; daneben lässt der Codex u.a. Neuburger, Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay, Muskateller und Sauvignon Blanc zu. Rotweine fallen nicht unter das Drei-Klassen-System, das ausdrücklich nur trockene Weißweine klassifiziert.
Die Codex-Pflichten im Detail
Mitglieder der Vinea Wachau verpflichten sich zu deutlich strengeren Regeln als das allgemeine österreichische Weinrecht:
1. Ursprungsprinzip
Codex-Weine müssen ausschließlich aus Trauben aus der Wachau stammen; Zukäufe von Trauben oder Wein von außerhalb der Wachau sind ausgeschlossen. Die Details (etwa zu Verarbeitung und Abfüllung) regelt der Codex der Vinea Wachau selbst, prüfen Sie die aktuelle Fassung beim Verein.
2. Handlese
Der Codex schreibt für alle Wachauer Trauben ausschließlich Handlese vor, unabhängig davon, ob eine maschinelle Ernte technisch möglich wäre.
3. Anreicherungs-, Aromatisierungs- und Konzentrierungs-Verbot
Keine Zugabe von Zucker oder Traubenmostkonzentrat (Anreicherung), keine Aromatisierung (z.B. durch Holzchips oder Eichenextrakte, auch nicht im Edelstahltank) und keine technische Konzentrierung des Mostes (Umkehrosmose, Vakuumverdampfung, Kryo-Konzentration). Diese sechs Grundsätze, „strengstes Ursprungsprinzip, kein Anreichern, kein Konzentrieren, kein Aromatisieren, keine Fraktionierung, Natur und nichts als Natur", bilden den Kern des 2006 formulierten Codex.
Fazit
Der Codex Wachau ist mehr als ein Klassifikationssystem, er ist ein Bekenntnis zum Terroir-Prinzip: Die drei Stilkategorien Steinfeder, Federspiel und Smaragd sollen ausschließlich das Ergebnis von Lage, Rebsorte und Jahrgang widerspiegeln, nicht das, was im Keller nachträglich korrigiert wurde. Für Wachauer Weingüter ist die Codex-Mitgliedschaft ein Markenwert, der sich in Preis und Reputation niederschlägt.
Wie Cepaos Wachauer Betriebe unterstützt
Für Parzellen (Riedlagen) im Anbaugebiet Wachau bietet Cepaos eine dedizierte Zuordnungsseite:
- Die Stilkategorie (Steinfeder, Federspiel oder Smaragd) wird pro Riedlage erfasst und gegen den gemessenen Alkoholgrad geprüft, das System weist die Zuordnung zurück, wenn der eingegebene Alkoholgrad nicht in die für die gewählte Stufe zulässige Spanne (Steinfeder bis 11,5 %, Federspiel 11,5–12,5 %, Smaragd ab 12,5 %) fällt.
- Ist die auf der Riedlage stehende Rebsorte keine der beiden Codex-Hauptrebsorten (Grüner Veltliner, Riesling), zeigt Cepaos einen informativen Hinweis, die Zuweisung wird trotzdem gespeichert, die Vermarktungsfähigkeit sollte aber geprüft werden.
Weitergehende Vereinsverwaltung (Mitgliedsstatus, Kostkommission, Banderolen o.ä.) ist nicht Teil dieser Funktion, für diese Prozesse bleibt die Vinea Wachau selbst die zuständige Stelle.
Einen Überblick über weitere Wachau-spezifische Funktionen (Erntemeldung an die AMA, BMLRT-Meldungen über die ÖWK) finden Sie auf der Cepaos-Seite für Wachau-Weingüter.