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Blog·4 Min. Lesezeit·Cepaos

Bio Suisse im Weinbau: Kupfer- und SO2-Grenzwerte im Detail

Die Knospe-Grenzwerte, die zählen: 3 kg Kupfer/ha/Jahr im Mittel, SO2-Tabelle nach Restzucker (100–250 mg/L) und der 1-mg/L-Kupferwert im fertigen Wein.

Wer die Knospe trägt, unterschreibt zwei Zahlenwerke, die strenger sind als das Gesetz: die Kupferbilanz im Rebberg und die SO2-Staffel im Keller. Beide sind messbar, beide werden kontrolliert, und beide entscheiden im Ernstfall über das Label eines ganzen Jahrgangs. Hier sind die Werte — mit Quellen — und die Praxis, sie einzuhalten, ohne sie ständig nachzuschlagen.


Kupfer im Rebberg: 3 kg/ha/Jahr im Mittel

Die Bio-Suisse-Richtlinien (Teil II, Weinbau) begrenzen den Einsatz von Reinkupfer auf 3 kg pro Hektar und Jahr im Mehrjahresmittel (Quelle: bioactualites.ch / Bio Suisse Richtlinien). Zwei Konsequenzen, die in der Praxis zählen:

  1. Es zählt das Reinkupfer, nicht das Produktgewicht. Ein Präparat mit 20 % Kupfergehalt schlägt mit einem Fünftel seiner Aufwandmenge zu Buche. Wer die Bilanz mit Produktkilos führt, rechnet sich fälschlich über — oder unter — die Grenze.
  2. Das Mittel ist mehrjährig. Ein nasses Jahr mit 3,5 kg/ha ist zulässig, wenn die umliegenden Jahre darunter bleiben. Das heisst aber auch: Die Bilanz muss über Jahre geführt werden, nicht pro Saison neu bei null beginnen.

Im fertigen Wein gibt es keinen strengeren Bio-Suisse-Wert: Es gilt der OIV/EU-Grenzwert von 1 mg/L (Reg. EU 606/2009, Anhang I B) — für alle Weine, konventionell wie biologisch.

SO2 im Keller: die Knospe-Staffel

Die Richtlinien (Teil III, Art. 12.2.5, Version April 2026) staffeln nach Restzucker:

Weintyp< 2 g/L2–5 g/L> 5 g/L> 50 g/L (Süsswein)
Rotwein100 mg/L120 mg/L170 mg/L250 mg/L (300 mit Botrytis)
Weisswein120 mg/L120 mg/L170 mg/L250 mg/L (300 mit Botrytis)
Roséwein120 mg/L120 mg/L170 mg/L250 mg/L (300 mit Botrytis)

Zum Vergleich: Konventionell erlaubt die Schweizer Praxis (USOE-Code, im Einklang mit RS 817.022.12, Anhang 9) rund 160 mg/L für trockene Rot- und 210 mg/L für trockene Weissweine. Ein trockener Knospe-Rotwein hat also 60 mg/L weniger Spielraum — das ist keine Marge, die man dem Zufall überlässt, sondern eine, die die Sulfitierungsstrategie pro Posten bestimmt. Details zu den konventionellen Werten in unserem SO2-Überblick.

Warum diese Werte im System leben müssen, nicht im Ordner

Beide Grenzwerte haben dieselbe unangenehme Eigenschaft: Sie werden kumulativ verletzt, nicht auf einen Schlag. Die vierte Kupferspritzung im Juli und die Nach-Sulfitierung vor der Füllung sind einzeln harmlos — in Summe entscheiden sie. Deshalb funktioniert die Ordner-Methode hier schlecht: Wenn die Bilanz erst zur Kontrolle zusammengerechnet wird, ist der Jahrgang längst gefüllt.

In Cepaos ist das anders herum gebaut:

  • Kupfer: Jede Pflanzenschutzanwendung wird mit Produkt und Kupferanteil erfasst (Kupfergehalte gemäss FiBL-Betriebsmittelliste); Cepaos rechnet die kg Cu/ha des laufenden Jahres und die 5-Jahres-Bilanz und warnt Betriebe mit aktiver Bio-Suisse-Zertifizierung beim Erfassen — nicht erst im Dossier.
  • SO2: Laboranalysen hängen am Posten, und für Knospe-Betriebe gilt die Bio-Suisse-Staffel als Referenz.
  • Alles als Warnung, nie als Sperre — zertifizieren tut Bio Suisse mit ihren Kontrollstellen, nicht Ihre Software.

Zur Vorbereitung der periodischen Kontrolle exportiert Cepaos das Pflanzenschutzregister und die Kupferbilanz als Teil des Audit-Dossiers — siehe auch die OIC-Vorbereitung.

Mehr zur Bio-Suisse-Zertifizierung in Cepaos — oder erstellen Sie Ihr Konto.


Quellen

  • Bio Suisse — Richtlinien (Cahier des charges), Teil II Weinbau (Kupfer 3 kg/ha/Jahr im Mittel) und Teil III, Art. 12.2.5 (SO2-Staffel), Version 15. April 2026 — bio-suisse.ch; bioactualites.ch (verifiziert 2026-09-08/09).
  • Reg. (EU) 606/2009, Anhang I B (Kupfer 1 mg/L im fertigen Wein; via RS 817.022.12 in der Schweiz angewandt).
  • USOE — Code des Bonnes Pratiques Oenologiques (konventionelle SO2-Werte), usoe.ch (verifiziert 2026-09-09).
  • FiBL — Betriebsmittelliste 2026 (Kupfergehalte der Präparate).

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